Der Gemeindebrief
Ausg. 15 April - Juni 2003
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Ein Kommentar zum ‚Kommentar’

Auch wenn ich vermutlich manches aus dem Jubiläums-Festvortrag von Matthias Ring wiederhole, drängt es mich, dem Leserbrief von Herrn Viktor Gehrke zu antworten und dazu ein paar Fakten in Erinnerung zu rufen, zumal ich mich beruflich mit der Geschichte der NS-Zeit seit circa 40 Jahren beschäftige.

Hinsichtlich der Kriegsschuldfrage 1914 sind sich die Historiker heute einig, dass zwar Deutschland keineswegs die Alleinschuld trägt, dennoch der Erste Weltkrieg erst dadurch möglich wurde, dass die deutsche kaiserliche Regierung den Kriegswillen Österreichs gegen Serbien unterstützte. Zweifellos bedeutete der Versailler Vertrag eine tiefe Demütigung des deutschen Volkes; dennoch blieb die NSDAP in den zwanziger Jahren eine relativ unbedeutende rechtsradikale Splitterpartei, die bei den Reichstagswahlen im Dezember 1924 lediglich 3% der Wählerstimmen erreichte im Mai 1928 sogar nur 2,6%.

Erst infolge der Weltwirtschaftskrise, unter der neben Deutschland auch andere europäische Staaten litten, und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit, kam es im September 1930 zum erdrutschartigen Sieg der Hitler-Partei, die von 12 auf 107 Mandate aufstieg (18,2%) und damit zur zweitstärksten Reichstagsfraktion wurde. Wer sich allerdings mit den Zielen dieser Partei vertraut machen wollte, konnte schon längst alles entweder in Hitlers ‚Mein Kampf’ nachlesen oder z.B. auch viel kürzer in Meyers Lexikon von 1928, wo in Band 8 über die NSDAP steht: "...lehnt Volksvertretung und Gewerkschaften ab, fordert den Anschluss Österreichs und erstrebt eine nationale Revolution, namentlich zur Bekämpfung der Auswüchse


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